Mit einer feierlichen Preisverleihung, der Präsentation ausgewählter Wettbewerbsbeiträge und einer erkenntnisreichen Diskussion hat der Videowettbewerb „Heimat – Vertrieben“ am 8. April 2026 im Forum des Niedersächsischen Landtages seinen Abschluss gefunden. Ausgerufen wurde der Wettbewerb vom Niedersächsischen Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe, Deniz Kurku. Die Abschlussveranstaltung wurde gemeinsam vom Niedersächsischen Landtag, dem Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe sowie dem Bund der Vertriebenen – Landesverband Niedersachsen e. V. realisiert. Als Fachobfrau Geschichte begleitete Katrin Kleesiek-Herding Amélie, Klasse 9a, und ihre Familie zur Preisverleihung nach Hannover zu dieser eindrucksvollen Veranstaltung.
Landtagspräsidentin Hanna Naber eröffnete die Veranstaltung mit einem Grußwort. Sie hob die hohe gesellschaftliche Relevanz des Themas Flucht und Vertreibung hervor und betonte, wie wichtig es sei, diesen Teil deutscher Geschichte auch jenseits der Erlebnisgeneration in Erinnerung zu halten. Die Beiträge der Jugendlichen zeigten eindrücklich, dass es gelingen könne, historische Erfahrungen in die Gegenwart zu holen und damit Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Präsentation und Auszeichnung der prämierten Videos. Amélie hatte für ihren Beitrag: „Sudetendeutsche: Meine Uroma“ ein Interview mit ihrer Uroma geführt, das sie zum Anlass genommen hat, die Fluchtroute und Erlebnisse im Kontext von Flucht und Vertreibung 1945 zu dokumentieren. Dabei stellte sie sich selbst die Frage, welche Rolle dieses Trauma auch für ihre eigene Identität spielt.
Für eine ebenso heitere wie souveräne Moderation sorgte Annie Heger, die sensibel durch das Programm führte. Die ausgezeichneten Filme machten deutlich, wie intensiv, reflektiert und selbstständig sich junge Menschen mit den Biografien von Heimatvertriebenen auseinandergesetzt haben – häufig im Gespräch mit Großeltern oder Urgroßeltern. Damit ist es der Veranstaltung gelungen, Generationen in einen Dialog zu bringen, was gerade mit Blick auf dieses Kapitel deutscher Geschichte keineswegs selbstverständlich ist. Hervorgehoben wurde in diesem Zusammenhang auch das Engagement der mitgereisten Geschichtslehrerinnen und Geschichtslehrer, die ihre Schüler und Schülerinnen bei ihrer Recherche und der kreativen Arbeit mit Herzblut unterstützt haben.
In der Diskussionsrunde nach der Preisverleihung wurde mit den Autoren Werner Sonne und Thomas Kreutzmann, der Historikerin Natalie Reinsch sowie dem jungen Filmschaffenden Michael Eibl der Bogen von historischen Erfahrungen hin zu aktuellen Fragen von Erinnerungskultur und gesellschaftlichem Zusammenhalt gespannt.
Der Landesbeauftragte Deniz Kurku zeigte sich beeindruckt vom Ergebnis des Wettbewerbs: „Die 27 Einsendungen zeigen eindrucksvoll, dass junge Menschen sehr wohl Interesse und ein feines Gespür für diesen Teil deutscher Geschichte haben. Viele haben in ihren Familien nachgefragt und damit Erfahrungen sichtbar gemacht, die sonst vielleicht verloren gegangen wären.“ Der Wettbewerb habe gezeigt, dass Erinnerung dann lebendig bleibe, wenn sie generationenübergreifend geteilt wird.
Die Abschlussveranstaltung verdeutlichte insgesamt: Flucht, Vertreibung und die Suche nach Heimat sind Themen, die bis heute nachwirken – und junge Menschen bewegen, wenn man ihnen Raum zur inhaltlichen und kreativen Auseinandersetzung gibt.
Die drei erstplatzierten Videos werden auf dem Instagram-Portal des Landesbeauftragten nach und nach gezeigt (migrationsbeauftragter_nds). Weitere Fotos sowie alle eingesendeten Videos findet man aber auch auf der Website des Migrationsbeauftragten [Link].
Im Namen der gesamten Schulgemeinschaft am Gymnasium Haren gratulieren wir Amélie herzlich zu dieser besonderen Leistung!
K. Kleesiek-Herding
