Alle Schülerinnen und Schüler des 11. Jahrgangs absolvieren ein zweiwöchiges Betriebspraktikum. Es dient einerseits der beruflichen Orientierung, andererseits bietet die anschließende Erstellung des Praktikumsberichts eine erste Vorbereitung auf wissenschaftliches Arbeiten. Die meisten Schülerinnen und Schüler absolvieren ihr Praktikum in der näheren Umgebung und werden während dieser Zeit auch von einer Lehrkraft besucht. Einige jedoch verfolgen Berufswünsche, für die sich im Emsland nicht immer ein passender Praktikumsplatz finden lässt. So zog es in diesem Jahr beispielsweise Fanny Andrees nach Hannover:
Praktikum an der MHH: Ein Blick ins Herz der Medizin
Aufgrund meines naturwissenschaftlichen Interesses und meines aktuellen Wunsches, zukünftig als Ärztin meinen Mitmenschen zu helfen, wollte ich im Rahmen meines Praktikums gerne Einblicke in die medizinische Forschung sowie den Klinikalltag erhalten. In dieser Kombination bot sich die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) an, denn sie vereint als Universitätsklinik die klinische Patientenversorgung mit Forschung und Studentenlehre und gehört sowohl national als auch international zu den besten Kliniken. Als eine der forschungsstärksten hochschulmedizinischen Einrichtungen Deutschlands gewährt sie exzellente Voraussetzungen für junge Wissenschaftler:innen. Außerdem bietet die MHH als Klinikum der Supramaximalversorgung jährlich über 63.000 stationären und mehr als 470.000 ambulanten Patient:innen interdisziplinäre Spitzenmedizin auf höchstem Niveau.
So nahm ich den etwas umfangreicheren Bewerbungsprozess auf mich und freute mich am 10. September letzten Jahres sehr über die Zusage für die Klinik der Kardiologie und Angiologie. Da ich Verwandtschaft in Hannover habe, stellten meine Unterkunft sowie die Versorgung kein Problem dar, und der Standort ermöglichte mir zudem, Erfahrungen bezüglich des Stadtlebens und erweiterter Selbstständigkeit zu sammeln.
Als ich am ersten Tag mit der Straßenbahn an der Medizinischen Hochschule ankam, war ich bezüglich der Größe des Areals trotz meiner Recherche sehr überrascht. Ich fand glücklicherweise schnell zum Treffpunkt und wurde freundlich von meinem Praktikumsbetreuer Dr. Stojanović begrüßt. Er ist beruflich Clinician Scientist, eine Verbindung der ärztlichen Tätigkeit in der Klinik mit der Forschung in der Kardiologie und Angiologie sowie im Institut für molekulare und translationale Therapiestrategien. Zum Verständnis der Experimente erklärte er mir zunächst seinen spannenden Forschungsbereich bezüglich Anti-Seneszenz-Therapien. Diese zielen darauf ab, Zellen im Körper, die durch den Alterungsprozess oder die Exposition gegenüber Stress ihre Teilbarkeit verloren haben und Entzündungsstoffe ausschütten, auf verschiedene Weisen unschädlich zu machen.
Dann zeigte er mir das Labor mit den zahlreichen technischen Geräten, unterschiedlichen Wirkstoffen und Zellen sowie die Klinik der Kardiologie und Angiologie. Während meines zweiwöchigen Aufenthaltes organisierte Dr. Stojanović für mich Einblicke in viele unterschiedliche Bereiche: So war ich bei ihm in der Zellkultivierung und der Entwicklung passender Wirkstoffe gegen die Seneszenz und durfte ihm in diesem Zuge bei den Pipettierungsarbeiten und der wichtigen Planung der vielen parallel stattfindenden Experimente zuschauen. Bei einer seiner Kolleginnen habe ich schlagende Herzmuskelzellen, die aus menschlichen Hautzellen entwickelt wurden, gesehen und durfte an einem anderen Tag helfen, sogenannte „Slices“, also sehr dünne Scheiben eines Rattenherzens, aufzubereiten, sodass die Kontraktionen als Graphen in einem Computersystem dargestellt werden.
Mir wurden im Labor zudem durch verschiedene Zellen entwickelte, sehr kleine dreidimensionale Herzmodelle (Organoide) gezeigt und noch vieles mehr. Zudem war ich in der Klinik und durfte Ultraschalluntersuchungen von Gefäßen beobachten sowie in der Echokardiographie den Ultraschall des Herzens sehen. Das waren sehr vielfältige und tiefe Einblicke, und ich bin sehr dankbar, dass sich alle immer die Zeit genommen haben, meine Fragen ausführlich zu beantworten.
Das Praktikum war zusammenfassend ein wirklich hilfreicher und relevanter Aspekt in meiner Berufsorientierung und hat mir geholfen, die Klinik sowie insbesondere die medizinische Forschung in vielfältigen Bereichen und die damit zusammenhängenden Berufe kennenzulernen. Besonders die Forschung hat meine Vorstellungen übertroffen, und ich freue mich sehr darauf, in Zukunft hoffentlich einmal selber in einem solchen Bereich wie Dr. Stojanović zu arbeiten. Er ist für mich zu einer Leitfigur geworden, in deren Rolle ich mich gerne in Zukunft wiederfinden würde. Damit hat das Praktikum mich persönlich in meinem Wunsch bestärkt, mich zukünftig beruflich mit der Medizin und insbesondere der damit zusammenhängenden Forschung auseinanderzusetzen.
Fanny Andrees (11a, 2025/2026)
