Seit mehr als zehn Jahren führt das Gymnasium Haren das eindrucksvolle Schulprojekt „Den Toten einen Namen geben“ durch. Im Mittelpunkt des Projekts steht das Gedenken an die sowjetischen Kriegsgefangenen, die während der Zeit des Nationalsozialismus in den Emlandlagern unter unmenschlichen Bedingungen ums Leben kamen. Durch die Beschäftigung mit ihren persönlichen Schicksalen erhalten die Opfer ihre Namen und damit ein Stück ihrer Identität zurück. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager für die Bereitstellung der Namenskarten.
Auch in diesem Jahr wurde das Projekt unter der Leitung von Malte Schniers, Michael Herding und Katrin Kleesiek-Herding im Rahmen der Projekttage am Gymnasium Haren weitergeführt. Rund 25 Schülerinnen und Schüler aus den Klassen 6 bis 10 nahmen aktiv daran teil und beschäftigten sich intensiv mit der Geschichte und dem Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen im Emsland.
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Gestaltung individueller Tontafeln durch die Schülerinnen und Schüler, die zunächst nach einem genauen Verfahren hergestellt werden. Der Werkstoff Ton stellt dabei einige Herausforderungen an die Schüler, die Material und Beschaffenheit zunächst kennenlernen und sprichwörtlich mit den eigenen Händen begreifen müssen. Die rechteckigen Tafeln werden mit den Namen und Lebensdaten der Verstorbenen versehen, anschließend für die Kriegsgräberstätte Oberlangen gebrannt und nach dem ersten Brennen engobiert. So sticht die Gravur deutlich hervor. Auch in diesem Jahr sind wieder zahlreiche neue Tafeln entstanden und können im nächsten Jahr an den dafür vorgesehenen Stelen angebracht werden.



Die fertigen Tonziegel aus dem vergangenen Projektdurchgang konnten nun an ihrem vorgesehenen Ort angebracht werden. Eine Schülergruppe des Gymnasiums Haren machte sich dazu mit den Fahrrädern und bei bestem Wetter zusammen mit ihren Lehrern auf den Weg zur Kriegsgräberstätte Oberlangen und schraubte die Tafeln eigenhändig an die dort aufgestellten Eichenstelen.



Die Anbringung der Namenstafeln war zugleich Anlass für eine würdige Gedenkveranstaltung. Gemeinsam erinnerten die Schülerinnen und Schüler an das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen im Emsland. Im Mittelpunkt stand dabei der Gedanke, dass hinter jedem Namen ein Mensch mit einer eigenen Geschichte, einer Familie und einem Leben stand, das durch Krieg und nationalsozialistische Gewaltherrschaft beendet wurde. Eine gemeinsame Schweigeminute rundete das Gedenken am Gedenkstein auf dem Friedhof ab.
Das Projekt „Den Toten einen Namen geben“ zeigt, wie lebendige Erinnerungskultur auch für junge Menschen erfahrbar werden kann. Indem die Schülerinnen und Schüler selbst an der Gestaltung und Anbringung der Gedenktafeln mitwirken, leisten sie einen persönlichen Beitrag gegen das Vergessen und für ein würdevolles Erinnern an die Opfer.
K. Kleesiek-Herding (Fachgruppe Geschichte)
